Unser Bericht
Die Teammitglieder verwendeten wieder einmal ihren Jahresurlaub für den Einsatz.
Die Vorbereitungen waren dadurch erschwert, dass Mango sich erst im August 2008 zur Durchführung eines Einsatzes entschloss. Es wurde versucht, Teilnehmer früherer Einsätze zu gewinnen, was aber nur zum Teil gelang. Somit bestand das Medizinerteam aus 7 "Neulingen". Bei der Teamzusammensetzung musste dies bedacht werden.
Durch die kurzfristige Entscheidung einen erneuten Einsatz bereits ein Jahr nach dem Letzten durchzuführen, gelang es erst im Dezember den Materialcontainer auf die Reise zu schicken. Die Zusammenstellung des Materials geschah routiniert und reibungslos. Durch viele fleißige Helfer wurde der bereitgestellte Container am 17.12.2008 gepackt.
Unser Dank gilt allen Spendern und Unterstützern des Vereins.
Reisevorbereitungen
Wenige Tage vor Antritt der Reise stellten sich erhebliche Schwierigkeiten in den Weg. Zum Einen erfuhren wir, dass der Container nicht pünktlich eintreffen wird und zum Anderen mussten wir einen Militärputsch, der glücklicherweise recht glimpflich von statten ging, zur Kenntnis nehmen.
Bei kurzfristigen Teamtreffen wurden alternative Abreisetermine diskutiert aber verworfen. Glücklicherweise gestattet Air France 2x 23 kg Reisegepäck mitzunehmen, somit wurden dringend benötige Dinge wie z. B. Narkotika, OP-Material und anderes im Koffer verstaut und per Flugzeug transportiert. Infusionen konnten in Conakry beschafft werden.
Die Anreise
In der Hoffnung, nichts vergessen zu haben, trat das Team den Flug nach Conakry über Paris an. Reise, Ankunft und Übernachtung im Hotel verliefen ohne Probleme. Bis auf eine verstärkte Militärpräsenz war vom Putsch nichts Negatives zu bemerken. Im Gegenteil: man hatte den Eindruck, dass Conakry's Strassen sauberer und aufgeräumter waren als sonst. Wir wurden wie immer von Lamin Diallo herzlich begrüßt, der auch den Bus und die Hotelunterkunft vorbildlich organisiert hatte. Auf der Fahrt nach Koolo-Hinde erlitt der Galopper-Jeep eine Panne, woraufhin wir ihn zurücklassen mussten. Oumar Barry nahm sich der Sache an, und organisierte die Regulierung des Schadens über die Versicherung.
Am späten Abend kamen wir in Koolo an, wo wir auf das herzlichste Empfangen wurden. Die Versorgung und die Unterbringung war perfekt durch die Familie Barry vorbereitet.
Für den Einsatz wurden eingestellt:
- Zwei Köchinnen,
- Helfer für die Wasserversorgung und Transport,
- mehrere Hebammen des Dorfes für die Mithilfe bei der Instrumentenaufbereitung,
- zwei Putzfrauen,eine Wäscherin für die OP-Tücher
Wieder einmal bewährte sich unser "Hausmeister" Didi aufs Beste. Er hat das Zentrum in unserer Abwesenheit bestens in Stand gehalten. Das Zentrum war sauber und sofort einsatzbereit. Er organisierte den Patiententransport, suchte die zu operierenden Patienten, organisierte die Reinigung der Wäsche und des Zentrums und vieles mehr.
Elhadj BAO hat den "Poste de Santé" streichen lassen. Die Kosten (über 400 €) dafür will er von Mango zurückerstattet haben. Außerdem sorgte er dafür, dass das Lager in einem sauberen Zustand war: termitenfrei, staubfrei und der Boden mit Petroleum gestrichen.
Der erste Tag war geprägt von Aufbau und Vorbereitungsarbeiten im Zentrum und im Lager.
Die Arbeit vor Ort
Im Folgenden wurde an 12 Tagen mit jeweils einem Tag Pause operiert.
Der Andrang war riesig. Bereits im Vorjahr gesehene aber vertröstete Patienten und Kinder hatten Vorrang. Die Schwere der Fälle war wieder einmal beeindruckend. Dies bedeutet weiterhin, dass die ländliche Bevölkerung zum größten Teil keinen Zugang zu einer basisnahen chirurgischen Versorgung hat.
Es wurden operiert:
- 8 Hydrozelen
- 44 mitunter riesige Leistenhernien , ggf. beidseits
- 3 Nabelhernien
- 10 Strumae
- 1 Mammakarzinom
- 9 uro-genitale Fisteln
- 5 Lipome
- 2 Uterussenkungen
- 5 Schenkelhernien
- 3 Hemoroiden
- 2 epigast. Hernien
- 1 Circumcision
- 8 Sonstige Operationen
Dabei führten die anästhesiologischen Kollegen:
- 59 Spinalanaesthesien
- 27 Vollnarkosen
- 14 Analgosedierungen
durch.
Besondere Einsätze
Am ersten Abend in Koolo-Hinde kam eine schwangere Frau mit Wehen mit einem höchstwahrscheinlich unreifen Kind. Am Abend wurde das Kind spontan entbunden, worauf der Vater uns zu Hilfe rief. Wir fanden ein mehr oder weniger lebloses, stark unterkühltes Neugeborenes (ca. 30 SSW) vor. Man begann mit einer zunächst erfolgreichen Reanimation. Das Kind wurde in das Zentrum gebracht. Unter Sauerstoffgabe, Beatmung, Erwärmung und medikamentöser Therapie begannen sich die Vitalwerte zu normalisieren. Eine Sauerstoffgabe war aber weiter zwingend notwendig. Wir beschlossen, die Restlaufzeit des Generators abzuwarten, welche etwa 3 Uhr beendet gewesen wäre. Leider verstarb das Kind gegen 1 Uhr. Das Kind hätte einer neonatologischen Intensivtherapie bedurft. Mit unseren Mitteln war dem Kind leider nicht zu helfen. Als sich die Situation abzeichnete, wurden die Eltern hinzu gerufen.
Ein weiter Fall soll hier geschildert werden. Es wurde zu Beginn der OP-Tätigkeit ein Vater mit seinem vielleicht 4 jährigen Sohn vorstellig. Das Kind hatte ein extrem verdicktes rechtes Knie, aus welchem der Eiter quoll. Es war erkennbar, dass der Junge das Knie seit geraumer Zeit nicht mehr strecken konnte.
Nach chirurgischer Ausräumung des massiven Infektes konnte das Bein gestreckt werden. Es wurde eine Gipsschiene angelegt um das Bein ruhig zu stellen und zu stabilisieren. Durch tägliches Spülen in leichter Betäubung (Analgosedierung) der OP-Wunde und Antibiotika-Gabe schwoll das Knie ab und der Zustand des Patienten besserte sich täglich. Wir unterwiesen den Krankenpfleger im tgl. Verbandswechsel. Es wurde eine Schiene aus Holz dem Jungen angepasst. Sollte der Junge infektfrei bleiben, so sind wir zuversichtlich, dass er, zwar mit Einschränkungen, das Bein benutzen kann.
Wie jedes Jahr kamen sehr viele Kinder mit zum teil großflächigen Wunden der Haut an den Beinen. Diese entstehen beim tgl. Spielen, durch kleine Verletzungen, durch Dornen u.v.a. Unbehandelt heilen sie entweder gar nicht oder nur sehr langsam.
Hilfe zur Selbsthilfe
Claudia Wiedeck, eine Spezialistin für chronische Wunden, entwickelte ein Konzept zur Behandlung mit in Koolo-Hinde verfügbaren Produkten (Honig, Palmöl). In einem "Workshop" wurden die Frauen des Dorfes in die Behandlung dieser Wunden unterwiesen. In der Zeit unseres Aufenthaltes waren beeindruckende Erfolge zu beobachten.
Besondere Belastung des Dorfes
Bei Gesprächen mit der einheimischen Bevölkerung kam zum Ausdruck, dass das Dorf unter dem 3-wöchigen "Ansturm" von Patienten und deren Angehörigen litt. Diese müssen versorgt und untergebracht sein. Man bat uns um den Bau eines Gebäudes zur Unterbringung der vielen Menschen mit Koch- und Waschgelegenheit. Dieser Wunsch muss dem Verein überbracht werden.
Kurzfristige Bargeldspenden aus Deutschland von 500 € wurden verwendet für:
- Unterstützung der Schulspeisung (im Rahmen des Welternährungsprogramms),
- Reparatur der Decke im Schulgebäude,
- Mithilfe bei der Tilgung von Schulden des Dorfes, die bei der Reparatur des Brunnens entstanden sind.
Ein durch Angelika Trabert gespendeter Rollstuhl wurde einer gelähmten jungen Frau übergeben. Dem bei einem früheren Einsatz Beinamputierten Mädchen Nuhu, wurde ein neues Paar Gehstützen angepasst.
Der Kontainer
Im täglichen OP-Betrieb wurde der Container mit dringend benötigtem Material sehnsüchtig erwartet. Das Improvisationsvermögen aller Berufsgruppen war gefordert. Das hatte zur Folge, dass viele verwendbare aber ältere Artikel aus dem Lager endlich verwendet wurden. Medikamente und Infusionen konnten ohne Schwierigkeiten in Dabola (50 km von Dogomet) gekauft werden.
Der Container traf schließlich am vorletzten OP-Tag ein. Die Materialien wurden im Lager sortiert und inventarisiert. Ich meine, dass für die nächsten 2 Einsätze genügend Material vorhanden ist, so dass kein Container geschickt werden muss.
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mango durch routinierte Einsätze in der Lage ist, die chirurgische und gynäkologische Gesundheitsversorgung in der Region Dogomet/ Guinea im eigenen OP-Zentrum entscheidend zu verbessern. Durch Gewinnung von sehr erfahrenen Medizinern jeder Berufsgruppe, der immer besser werdenden materiellen und auch aparativen Ausstattung und der langjährigen Erfahrung von Mango können komplexe Krankheitsbilder in hoher Qualität und in beeindruckender Anzahl therapiert werden. Der Nutzen des eigenen OP-Zentrums ist unübersehbar und die Akzeptanz und Dankbarkeit der Bevölkerung überwältigend. Erfreulich ist, das keines der Teammitglieder erkrankte und wohlbehalten am morgen des 7. Februar 2009 in Deutschland ankam.