Unser Bericht
Es konnten neben erfahrenen Medizinern auch 3 neue Teammitglieder gewonnen werden. Leider konnte uns unsere langjährige Gynäkologin Frau Dr. Angelika Barth diesmal nicht begleiten. Das Fehlen von Frau Dr. Barth, als 3. operativ tätige Ärztin fiel erheblich ins Gewicht. Mit der Teilnahme von Frau Barth am nächsten Einsatz glauben wir, die optimale Größe und Zusammensetzung für die medizinischen Einsätze in Koolo-Hinde gefunden zu haben.
Die Vorbereitung
Die Vorbereitung gestaltete sich in Deutschland routiniert. Da das Material beim letzten Einsatz erst am letzten OP-Tag auf Grund logistischer Probleme ankam, konnten wir beim jetzigen Einsatz darauf zurückgreifen. Fehlende Materialien und Medikamente wurden im Gepäck mitgenommen. In Koolo-Hinde gestaltete sich die Vorarbeit etwas aufwendiger. Es waren Reparaturen am OP-Zentrum notwendig. So wurden Undichtigkeiten am Dach festgestellt, durch die es hineinregnet. Für die Unterbringung des Teams mussten verschiedene Dinge ersetzt werden. Die Reparaturen wurden durch unseren Partner in Guinea El Hadj Oumar Barry im Herbst 2010 organisiert. Bailo Barry reiste im Oktober zur Klärung offener Fragen in Bezug der Sanierung des OP-Zentrums und zur Vorbereitung des Einsatzes nach Koolo-Hinde.
Unsere Ankunft
Die Übernachtung im Hotel nach Ankunft in Conakry sowie der Transport nach Koolo wurde wie gewohnt zuverlässig durch Lamine Diallo, der uns bis nach Koolo Hinde begleitete, organisiert. Am Abend des 15.02.2011 traf das Team in Koolo ein und wurde herzlich empfangen. Nach einem Aufbautag wurde der OP-Betrieb aufgenommen. An 13 OP-Tagen führten wir 104 Operationen durch. Es kam zu keinerlei uns bekannten Komplikationen. Die Berufsgruppen arbeiteten professionell und auch fachübergreifend zusammen. Die Gruppe fand schnell zusammen und ich empfand ein erfrischendes und motivierendes Arbeiten aller Personen.
Unsere Arbeit vor Ort
Das Spektrum umfasste diesmal hauptsächlich Leisten-, Hoden- und Nabelbrüche, Fettgeschwulste und stark vergrößerte Schilddrüsen. Auf gynäkologische Operationen musste bis auf eine Ausnahme (Fistelrevision) verzichtet werden.
Ein verstärktes Augenmerk wurde auf die bevorzugte Versorgung von Kindern und Jugendlichen gelegt. Unter anderem wurde ein 4-jähriger Junge operiert, der unter erheblichen Bewegungseinschränkungen durch die Narbenbildung nach einer Verbrühung des linken Armes litt. Die Narben wurden aufwendig korrigiert.
Ein weiterer Junge erlitt vor 2 Jahren eine offene Fraktur des rechten Schienbeins, welche unversorgt und weiterhin nicht mit Haut bedeckt war. Durch Resektion von überschüssigem Knochen konnte ein sekundärer Wundverschluss eingeleitet werden. Bis zu unserer Abfahrt wurden tägliche Verbandswechsel in Analgosedierung (leichte Narkose) durchgeführt.
Zwei weiteren Kindern konnten seltene Tumore entfernt werden, die in Frankfurt untersucht wurden.
In die weitere Versorgung der kleinen Patienten wurde M. Conte (lokaler Krankenpfleger) unterwiesen und mit Material ausgestattet.
Leider mussten wir feststellen, daß die medizinische Versorgung der Landbevölkerung sich eher verschlechtert als verbessert hat. Die wirtschaftliche Notlage der Menschen ist auch hier offensichtlich.
Wir sind weiterhin mit eindrucksvollsten Befunden eigentlich normaler Erkrankungen konfrontiert. Der Patientenstrom scheint nicht abzureissen. Wieder mussten Patienten unversorgt zurückgelassen werden.
Die Notwendigkeit eines weiteren Unterkunftshauses für die Patienten und deren Angehörige wurde umso mehr deutlich. Durch die hohe Anzahl der Patienten mussten Angehörige teils auf dem Boden oder vor dem Poste de Santé übernachten.
Der Besuch des Stadtkrankenhauses in Dabola machte die begrenzte Leistungsfähigkeit des staatlichen Gesundheitswesens deutlich. So wurde uns berichtet, dass in Dabola keine Intubationsnarkose möglich sei. Das Krankenhaus wurde von uns vor unserer Abreise mit Material und Geräten unterstützt. Wir vereinbarten eine Kooperation für den nächsten Einsatz. So haben wir den operierenden Chirurg aus Dabola zur Hospitation eingeladen.
Zusammenarbeit
Weiterhin konnten wir eine Zusammenarbeit für nächsten Einsatz mit dem in Conakry tätigen aus Guinea stammenden HNO- Arzt Dr. Keita verabreden. Dieser besuchte uns in der ersten Woche unseres Aufenthaltes. Dr. Keita assistierte bei mehreren Schildrüsenoperationen und führte auch selbst Eine aus.
Gerade auf dem Gebiet der Schilddrüsenchirurgie ist eine Zusammenarbeit sehr lohnenswert, weil dieses Krankheitsbild in der Region des Fouta Djallon auf Grund von Jodmangel gehäuft auftritt. Dr. Boettge operierte 21 Patienten an ihrer stark vergrößerten Schilddrüse. So waren einige Präparate nicht selten um die 1000 g schwer. Im ganzen Land ist es nur vereinzelt möglich, diese Operation durchzuführen.
Unerwarteter Besuch
Während des Einsatzes besuchte uns zum ersten Mal der Präfekt aus Dabola. Er brachte seine Anerkennung und Dankbarkeit der Bevölkerung zum Ausdruck.
Vorbereitung und Betreuung in Koolo-Hinde
Die Betreuung des Teams während des Einsatzes war exzellent organisiert. Es wurden wieder eine Köchin, eine Wäscherin und mehrere Reinigungs- und Hilfskräfte eingestellt. Wir konnten auf bewährte Helferinnen bei der Instrumentenaufbereitung zurückgreifen.
Die Vorbereitung des Einsatzes durch El Hadj Oumar Barry (Kauf und Transport von Lebensmitteln, Baumaterial für die Reparatur des OP-Zentrums) erwies sich als sehr aufwendig und kostenintensiv.
Durch die unsichere Situation im Lande - im Zuge der Präsidentenwahl im Herbst 2010 in Guinea - stiegen die Preise für Lebensmittel und Kraftstoff erheblich.
Mango wurde durch guineische Behörden auferlegt, geringe Gebüren für Untersuchungen und Operationen zu erheben. Dieses Geld wurde zur Entlohnung der einheimischen Hilfskräfte verwendet.
Situation vor Ort
Leider mussten wir erfahren, daß der langjährige Krankenpfleger des örtlichen Gesundheitspostens M. Condé durch M. Soumah abgelöst wurde.
Bei unserer Ankunft stellten wir den ungeklärten Verlust mehrerer Matratzen, die Mango zur Verfügung stellte, im Poste de´Sante fest.
Bedauerlicherweise kam es auch zu Unregelmäßigkeiten bei der Zusammenstellung der Patientenlisten der einzelnen Dörfer. Daraufhin wurde M. Soumah durch die lokalen Behörden abgelöst. M. Condé unterstützte uns nun für die Zeit unseres Einsatzes kompetent und hilfsbereit.
Wir hoffen für die Zukunft auf eine kompetente und zuverlässige Besetzung der Position des Krankenpflegers des Dorfes.
Planung eines Patientenhauses
Ein Thema dieses Einsatzes war die Vorbereitung zum Bau des neuen Patientenhauses. Mit den Repräsentanten des Dorfes wurde ein geeigneter Bauplatz in unmittelbarer Nähe des Zentrums gefunden und besichtigt. Letzte Änderungen am Projekt wurden an den Bauingenieur nach Conakry übermittelt, der den endgültigen Bauplan erstellen wird. Die Finanzierung wurde besprochen und eine Bezahlung nach Bauabschnitten vereinbart. Die Organisation der Bauphasen und die Überwachung der Arbeiten übernimmt El Hadj Oumar Barry.
Mit den Dorfbewohnern wurde vereinbart, daß diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten Ziegel und Schotter liefern. Wir besprachen die Nutzung des Hauses während unserer Abwesenheit (Wohnmöglichkeit für Lehrer, Lagerplatz für Lebensmittel der Schulspeisung). Die Repräsentanten des Dorfes sicherten die Übernahme der Verantwortung für den Erhalt und Betrieb des Hauses zu.
Wir denken, daß der Bau in diesem Jahr abgeschossen wird. Im Jahr 2012 kann mit der Zusammenstellung der Einrichtung des Patientenhauses und der Organisation des nächsten Einsatzes begonnen werden, welcher für Januar/Februar 2013 anvisiert ist. Für diesen Einsatz ist die Entsendung eines Materialcontainers notwendig, da das medizinische Verbrauchsmaterial in Koolo-Hinde nahezu aufgebraucht ist.
Dank an die Spender
Allen Spendern und Unterstützern sei im Namen der Menschen in der Region Koolo-Hinde/Dogomed gedankt. Durch großzügige Spenden steht Mango momentan auf einer soliden Basis. Da einige medizinische Geräte (Absauger und Infusionspumpen) nach dem Einsatz nicht mehr funktionierten, müssen diese ersetzt werden. Dafür und auch für den Bau des Unterkunftshauses sind wir weiterhin auf großzügige Spenden angewiesen.